Die Anfänge des Romantikerhauses in Jena

Foto: Constanze Roth

Dieser Text beruht auf einem Interview im Frühsommer 2020 mit der Kunsthistorikerin Maria Schmid, die das heutige Literaturmuseum seit seinem Aufbau bis 1998 leitete. Persönliche Aussagen sind kursiv markiert.


Auf der Suche nach einem neuen Ort für das Stadtmuseum und die Kunstsammlung Jena findet Maria Schmid das Romantikerhaus. Doch beginnen wir die Geschichte von vorn zu erzählen:


Als Maria Schmid 1961 als junge Kunsthistorikerin nach Jena kommt, um die Leitung des Stadtmuseums zu übernehmen, wird die Sammlung des Stadtmuseums noch im „Prinzessinnenschlösschen“, dem ehemaligen Gartenhaus der bekannten Jenaer Professorenfamilie Griesbach, präsentiert. Maria Schmid erinnert sich im Interview an eine wunderschöne Ausstellung über Kunstwerke aus dem privaten Besitz der Universitätsangehörigen. Die Immobilie im Zentrum unweit des Planetariums gehört jedoch der Carl-Zeiss-Stiftung. Diese beschließt 1964 den Umzug des Optischen Museums in das Griesbachsche Gartenhaus. Die aktuelle Ausstellung wird abgebrochen und es beginnt eine langjährige Odyssee auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten für das Stadtmuseum. Provisorische Stationen sind ein schäbiges Depot einer Jenaer Baufirma, der „Weimarische Hof“ am Marktplatz und das „Timlersche Haus“ am heutigen Eichplatz. Dort gab es zwar wenig Platz (es waren nur zwei große Räume), aber trotzdem guten Besuch.


Es gehört zu Maria Schmids Aufgabe, ein neues, passendes Quartier für Stadtmuseum und Kunstsammlung zu finden. Dafür waren gewisse Kriterien der Stadt zu berücksichtigen: es wurden etwa 800 qm für eine angemessene Präsentation benötigt und es durfte kein potentielles Wohnhaus umgenutzt werden, da die boomenden ZEISS-Werke jeden verfügbaren Wohnraum für ihre Arbeiter brauchten und die Neubauten in Lobeda gerade erst entstanden. Die engagierte Museumsleiterin unterbreitet der Stadt viele Vorschläge, doch keiner wird ausreichend unterstützt. Im gleichen Zeitraum wird das Jenaer Zentrums abgerissen. Ein Vorgang, der auf Entscheidungen der Parteizentrale in Gera zurückzuführen ist und von Maria Schmid als eine ganz, ganz schlimme Zeit wahrgenommen wird, weil du gegen die irrsinnigen Pläne nichts machen konntest. Vorübergehend steht sogar die Zerstörung des Collegium Jenense zur Diskussion.


Schließlich kristallisiert sich in den 1970er Jahren „die Göhre“ als eigenständige Bleibe für das neue Stadtmuseum heraus. Die Vorbereitungen für den Umzug beginnen. Maria Schmid entwickelte in der Zwischenzeit das Bedürfnis, die Kunstsammlung aus dem Stadtmuseum herauszulösen, da sie der Sammlung einen eigenen Charakter zuschreibt. Doch wo können die Grafiken, Malereien und Plastiken gezeigt werden? Zufällig entdeckt sie aufgrund einer Gedenktafel an der Fassade 1978 das ehemalige Wohnhaus Fichtes. Bei einer Begehung durch das Haus kommt sie zu dem Ergebnis, dass sich in den Räumlichkeiten tatsächlich ein Ausstellungsrundgang einrichten ließe. Doch auch diesem Haus droht der Abbruch – die Fernheizung soll hier entlangführen. Es regt sich Widerspruch, sogar bis nach Berlin. Die hauptstädtische Denkmalpflege positioniert sich zugunsten einer Erhaltung, beispielsweise als Gedenkstätte. Für den Philosophen Johann Gottlieb Fichte gibt es diese bereits im sächsischen Rammenau, auch für den Philosophen Hegel in Berlin, nur für das weltweit einzigartige Phänomen der Frühromantik gibt es keine. Jena und das vermeintliche Wohnhaus scheinen der geeignete Ort dafür zu sein, was auch die Jenaer Universität befürwortet. Schließlich finden Stadt und Universität einen Kompromiss: Das Haus wird gleichzeitig die Kunstsammlung beherbergen und zur Gedenkstätte der Frühromantik.


Doch bevor es soweit ist, müssen zahlreiche Steine aus dem Weg geräumt werden – besser: Unmengen von Müll und Bauschutt entsorgt werden. Wie aus dem kaum noch zu bewohnenden Haus mit einem zugemüllten HO-Lager im Erdgeschoss eine ausstrahlende Kulturinstitution mit künstlerischen Ausstellungen in Jena wird, ist an dieser Stelle in Kürze im zweiten Teil des Beitrags zu lesen.

Autoren: Constanze Roth & Claudia Häfner